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Kleeblatt, Kirsche, Zufall: Wie Pflanzensymbole von der Wiese auf den Bildschirm kamen

Posted on 30. August 202630. August 2026 By Redaktion Keine Kommentare zu Kleeblatt, Kirsche, Zufall: Wie Pflanzensymbole von der Wiese auf den Bildschirm kamen
Allgemein

Wer im Sommer über einer Kleewiese kniet und Blatt für Blatt umdreht, betreibt eine der ältesten Formen der Glückssuche. Sie kostet Zeit, sie hat einen ungewissen Ausgang, und sie endet in den meisten Fällen mit leeren Händen. Genau darin liegt ihr Reiz.

Dieselben Pflanzenbilder, die im Grün einer Wiese so selten sind, begegnen uns heute in großer Zahl auf Bildschirmen. Kirschen, Zitronen, Pflaumen und Kleeblätter gehören zum festen Bestand digitaler Glücksspielangebote. Der Weg dorthin ist gut dokumentiert und er hat mit Botanik wenig zu tun.

Was die Pflanze wirklich selten macht

Der Weißklee, botanisch Trifolium repens, bildet normalerweise drei Blättchen. Vierblättrige Exemplare gelten als Fehlbildung. Eine Forschungsgruppe der University of Georgia um Wayne Parrott konnte 2010 in der Fachzeitschrift Crop Science zeigen, dass ein Gen für die Vierblättrigkeit verantwortlich ist, das vom Gen für die Dreiblättrigkeit überdeckt wird. Molekulare Marker machen dieses Gen inzwischen nachweisbar. Wie stark es sich ausprägt, hängt zusätzlich deutlich von Umweltbedingungen ab.

Wie häufig vierblättrige Blätter auf einer Wiese vorkommen, ist dagegen weniger klar, als die verbreiteten Zahlen vermuten lassen. Angaben wie eines zu 5.000 oder eines zu 10.000 kursieren seit Jahrzehnten, beruhen aber nicht auf belastbaren systematischen Erhebungen. Wer sie zitiert, zitiert meist eine Schätzung, keine Messung. Sicher ist nur: Der Fund ist selten genug, dass er sich wie ein Ereignis anfühlt.

Ein zweiter Punkt wird selten erwähnt. Der Glücksklee, der zum Jahreswechsel in Töpfchen verkauft wird, ist überhaupt kein Klee. Es handelt sich um Oxalis tetraphylla, ein Sauerkleegewächs aus Mexiko, das von Natur aus vier Blättchen trägt. Das gekaufte Glückssymbol ist botanisch also das Gegenteil dessen, was es darstellen soll: keine Rarität, sondern der Normalfall einer anderen Art.

Symbolwert entsteht durch Aufwand

Die Alpenflora liefert dasselbe Muster in deutlicherer Form. Edelweiß und Enzian wurden nicht zu Zeichen, weil sie besonders schön blühen, sondern weil sie schwer erreichbar waren. Das Edelweiß wächst in Höhenlagen zwischen etwa 1.800 und 3.400 Metern. Wer eines mitbrachte, hatte einen Aufstieg hinter sich, der ein Risiko einschloss. Der Blütenstand war der Beleg dafür.

Heute ist genau dieser Beleg untersagt. Das Alpen-Edelweiß, Leontopodium nivale subsp. alpinum, steht nach der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz, vergleichbare Regelungen gelten in Österreich und der Schweiz. Beim Pflücken drohen je nach Bundesland und Schwere des Verstoßes empfindliche Bußgelder. Das Symbol hat seine Herkunft damit verloren und ist auf Trachtenstickereien, Vereinsabzeichen und Verpackungen ausgewandert.

Damit ist der Mechanismus benannt, um den es im Folgenden geht. Ein Glückssymbol bezieht seine Bedeutung aus den Umständen seiner Beschaffung. Löst man es von diesen Umständen, bleibt ein Bild übrig, das beliebig oft reproduziert werden kann.

Wie die Früchte auf die Walzen kamen

Der Übergang lässt sich auf wenige Jahre datieren. Charles Fey baute in San Francisco gegen Ende des 19. Jahrhunderts den dreiwalzigen Automaten Liberty Bell, dessen Symbole aus Hufeisen, Karo, Pik, Herz und der namensgebenden Glocke bestanden. Ab 1907 brachte der Hersteller Herbert Mills Nachbauten auf den Markt. Eine spätere Variante, die Operator’s Bell, war mit einem Kaugummiautomaten verbunden.

Weil dieser Kaugummi Fruchtgeschmack hatte, wanderten die Geschmacksrichtungen auf die Walzen: Zitrone, Kirsche, Orange und Pflaume. Auch das bis heute gebräuchliche BAR-Symbol hat einen profanen Ursprung. Es geht auf die Abbildung eines Kaugummistreifens der Marke Bell-Fruit Gum zurück. Andere Hersteller wie Caille, Watling, Jennings und Pace übernahmen die Bildsprache, im englischen Sprachraum setzte sich für solche Geräte der Begriff fruit machine durch.

Die Früchte auf den Walzen waren also zunächst eine Warenauskunft. Sie zeigten an, was der Apparat ausgab. Erst im Rückblick wurden sie zu einem Glücksmotiv verklärt, das mit Kleeblatt und Hufeisen in einer Reihe steht.

Ein Blick auf ein heutiges Angebot

Wie sich diese Bildsprache im laufenden Betrieb darstellt, lässt sich an öffentlich einsehbaren Seiten nachvollziehen. Der Anbieter Slotoro etwa führt in seiner Übersicht nach eigenen Angaben rund 6.000 Spiele und sortiert sie in Kategorien wie Automatenspiele, Live-Casino, Tischspiele, Megaways oder Jackpot. In den Erläuterungen des Anbieters werden Titel mit Bonbon- und Anglermotiven als Beispiele genannt, die Bildwelt reicht also weit über die historischen Fruchtsymbole hinaus.

In der Fußzeile ist als Betreiber die Wiraon B.V. genannt, angegeben wird eine Lizenz des Curaçao Gaming Control Board mit Zertifikatsnummer. Sichtbar sind außerdem Altersangaben mit dem Hinweis 18+, ein Bereich zum verantwortungsvollen Spielen mit Selbstausschlussoption sowie Verweise auf Hilfsorganisationen wie Gamblers Anonymous, GamCare und BeGambleAware. Die Oberfläche arbeitet mit einem kräftigen Blau als Grundfarbe.

Die Spieleübersicht selbst ist ohne Konto einsehbar, Demoversionen sind laut Anbieter ohne Registrierung abrufbar. Für das Spiel um Geld verlangt die Plattform dagegen ein Konto. Die Anmeldung findet auf einer eigenen Seite statt, erreichbar über slotoro deutschland log in. Auf dieser Seite ist zu beobachten, dass sie sehr reduziert gehalten ist: Anmeldung wahlweise per E-Mail-Adresse oder Telefonnummer, ein Passwortfeld, ein Link für vergessene Passwörter und ein Hinweis auf die Registrierung. Angaben zu Betreiber und Lizenz, wie sie die Fußzeile der Startseite enthält, sind auf der Anmeldeseite selbst nicht zu sehen.

Die Seltenheit ist hier kein Naturereignis

Damit ist der entscheidende Unterschied zur Wiese benannt. Ob ein vierblättriges Kleeblatt auftaucht, entscheiden Genetik und Standort. Wie oft drei Kirschen nebeneinander stehen, entscheidet ein Zufallsgenerator, dessen Wahrscheinlichkeiten und Auszahlungsquoten der Spielehersteller festlegt. Beides fühlt sich beim Betrachten ähnlich an, es sind grundverschiedene Vorgänge. Das eine ist ein Fund, das andere ein Rechenergebnis mit einem eingebauten Erwartungswert zulasten der spielenden Person.

Ebenso unterschiedlich ist der Einsatz. Die Suche auf der Wiese kostet Zeit und Aufmerksamkeit. Das digitale Pendant kostet Geld, und zwar in Beträgen, die sich in kurzen Abständen wiederholen lassen.

Der Gesetzgeber hat auf diesen Unterschied reagiert. Der Glücksspielstaatsvertrag von 2021 sieht für in Deutschland erlaubte Angebote unter anderem ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von grundsätzlich 1.000 Euro im Monat vor, eine sofort wirksame Kurzzeitsperre von 24 Stunden, die Sperrdatei OASIS mit einer Selbstsperre ab drei Monaten sowie ein Werbeverbot für virtuelle Automatenspiele zwischen 6 und 21 Uhr. Welche Anbieter in Deutschland erlaubt sind, weist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder in einer öffentlichen Liste aus. Eine deutsche Erlaubnis führt die betrachtete Seite in ihren Angaben nicht auf, genannt wird die Lizenz aus Curaçao. Was daraus rechtlich für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland folgt, ist eine Frage, die sich nur im Einzelfall und nicht anhand einer Fußzeile beantworten lässt.

Fazit

Pflanzliche Glückssymbole sind wandernde Bilder. Das Kleeblatt stammt von einer Wiese, auf der es tatsächlich schwer zu finden ist, das Edelweiß von einem Hang, den man erst erreichen musste. Auf den Walzen der frühen Automaten landeten Früchte, weil dort Kaugummi ausgegeben wurde, und in den heutigen Spielekatalogen sind daraus Tausende von Motiven geworden.

Die Bilder haben die Wanderung überstanden, ihre Bedeutung nicht. Wer die ältere Fassung des Glückssymbols kennenlernen will, findet sie im Juli auf jeder ungespritzten Wiese, mit ungewissem Ausgang und ohne Einsatz.

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