Spalierobstbäume und Kräuter: Warum diese Kombination im Garten so gut funktioniert

Wer Kräuter im eigenen Garten anbaut, denkt selten zuerst an Bäume. Dabei können gerade Spalierobstbäume eine erstaunlich nützliche Rolle im Kräutergarten übernehmen. Sie spenden Halbschatten, schaffen Mikroklimata und liefern nebenbei noch Obst für die eigene Küche.

Die Geschichte der Spalierbäume

Die Tradition, Obstbäume in Spalierform zu ziehen, reicht in Mitteleuropa bis ins 16. Jahrhundert zurück. Klostergärten wie jene der Benediktinerabtei Metten in Bayern kombinierten schon damals flach gezogene Obstgehölze mit Kräuterbeeten, um auf begrenztem Raum möglichst viel Ertrag zu erzielen. Diese alte Praxis erlebt gerade in kleinen Stadtgärten ein echtes Comeback.

Moderne Spalierbäume werden als freistehende Palmetten mit Stammhöhen bis 2,40 Meter angeboten und benötigen kein Wandgerüst. Der Spalierbaumspezialist aus Opheusden in den Niederlanden liefert solche Bäume fertig mit zwei Baumpfählen zum Aufstellen im Garten. Diese freistehende Form eignet sich besonders gut, um Kräuterbeete abzugrenzen oder windgeschützte Zonen zu schaffen.

Halbschatten als Standortvorteil für empfindliche Kräuter

Nicht alle Kräuter wollen den ganzen Tag in der prallen Sonne stehen. Bärlauch, Waldmeister und Sauerampfer bevorzugen halbschattige Standorte mit feuchterem Boden. Ein Spalierobstbaum, etwa eine Birne oder Süßkirsche, erzeugt genau diesen gefilterten Lichteinfall, ohne den gesamten Gartenbereich zu verdunkeln.

Die flache Kronenform eines Spalierbaums wirft einen deutlich schmaleren Schatten als ein frei wachsender Obstbaum. Bei einer Kronenbreite von etwa 2,50 bis 3 Metern entsteht ein Schattenstreifen, der sich im Tagesverlauf langsam verschiebt. Kräuter an der Nordseite des Baums erhalten so täglich etwa vier bis fünf Stunden direktes Licht und ansonsten angenehmen Halbschatten.

Erfahrene Kräutergärtner in Süddeutschland nutzen diesen Effekt, um mediterrane und seltene Kräuter im selben Beet zu kombinieren. Auf der Sonnenseite gedeihen Thymian und Oregano, während auf der Schattenseite Kerbel und Petersilie ihren bevorzugten Standort finden.

Mehr Bestäuber durch blühende Obstgehölze

Spalierobstbäume blühen je nach Art zwischen März und Mai. Das ist genau die Phase, in der viele Kräuter ihre Wachstumsperiode beginnen. Die Obstblüte lockt Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen an, die anschließend auch Blüten von Borretsch, Schnittlauch und Salbei anfliegen.

Gärten mit blühenden Obstbäumen weisen in einem Umkreis von 15 Metern nachweislich eine höhere Artenvielfalt an Bestäubern auf als vergleichbare Flächen ohne Gehölze. Die Universität Hohenheim forscht seit Jahren intensiv zu Wildbienen in Agrarlandschaften und betont die Bedeutung kleinräumiger Blühstrukturen. Wer neben Kräutern auch Spalierbäume pflanzt, steigert also die Biodiversität auf relativ kleiner Fläche.

Besonders Spalier-Apfelbäume bieten einen doppelten Nutzen. Ihre Blüten erscheinen Anfang April, und die reifen Äpfel lassen sich ab September gemeinsam mit Kräutern wie Rosmarin oder Thymian in der Küche verarbeiten.

Raumteiler mit Mehrwert auf kleiner Fläche

Viele Kräutergärten messen kaum mehr als 10 bis 15 Quadratmeter. Ein herkömmlicher Obstbaum mit einer Krone von sechs Metern Durchmesser würde solch einen Garten komplett dominieren. Spalierbäume dagegen beanspruchen in der Tiefe oft nur 50 bis 80 Zentimeter und lassen sich entlang von Wegen oder Beeträndern platzieren.

Wer den Garten in mehrere Zonen unterteilen möchte, kann Spalierbäume als lebende Raumteiler einsetzen. Eine Reihe aus drei Hainbuchen im Abstand von jeweils zwei Metern erzeugt einen halbdurchlässigen Sichtschutz, der gleichzeitig Wind bricht. Dahinter entsteht ein geschützter Bereich, in dem frostempfindliche Kräuter wie Zitronenverbene deutlich besser durch den Winter kommen.

Die Baumschule hinter dem Spalierbaumspezialist kultiviert seit 1860 in Opheusden Gehölze auf über 160 Hektar Anbaufläche. Neben Obstspalierbäumen umfasst das Sortiment auch Zier-Spalierbäume wie Felsenbirne oder Amberbaum, die zwar kein Obst liefern, aber durch ihre Blattstruktur und Herbstfärbung einen reizvollen Hintergrund für Kräuterbeete bilden.

Den richtigen Zeitpunkt zum Pflanzen wählen

Der ideale Zeitraum, um Spalierbäume neben Kräuterbeeten zu setzen, liegt zwischen Oktober und März, solange der Boden frostfrei ist. In dieser Phase können sich die Wurzeln etablieren, bevor im Frühjahr die Kräuter ausgesät oder gepflanzt werden. Ein Pflanzabstand von mindestens 1,5 Metern zum Kräuterbeet verhindert, dass die Baumwurzeln mit den Kräutern um Nährstoffe konkurrieren.

Beim Boden lohnt sich ein Blick auf den pH-Wert. Spalierobstbäume bevorzugen einen Bereich zwischen 6,0 und 7,5, was sich gut mit den Ansprüchen vieler Küchenkräuter deckt. Lavendel, Thymian und Salbei stehen ebenfalls gern auf leicht kalkhaltigem, durchlässigem Substrat.

Wer im kommenden Herbst mit der Planung beginnt, kann im übernächsten Frühjahr bereits von der Kombination profitieren. Die Spaliergehölze haben dann eine volle Wachstumsperiode hinter sich und bieten genügend Struktur, um die beschriebenen Schatteneffekte tatsächlich zu erzeugen.

Tara Hanke ist Expertin für Pflanzenheilkunde. Nach Abschluss ihrer Ausbildung in Phytotherapie bei der Fernschule für freie Gesundheitsberufe Impulse e. V. startete sie das Gesundheitsmagazin Edelweiß&Enzian.
Tara Hanke

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